Entwicklung des islam in Deutschland

Die Geschichte des Islams in Deutschland beginnt im 18. Jahrhundert mit der dauerhaften Etablierung erster islamischer Gemeinden.

Schon 1739 kamen muslimische Soldaten nach dem russisch-türkischen Krieg nach Potsdam. Ihnen wurde ein Gebetsraum im Militär-Waisenhaus eingerichtet, damit „freyer mahomedanischer Gottesdienst, auf einem Saale Sonntags nach der Kirchenparade“, stattfinden konnte. Somit ist sogar Friedrich Wilhelm I der erste christliche König Europas, der Muslimen einen eigenen Gebetsraum errichten ließ. Jedoch gab es schon vorher Kontakte zwischen der islamischen Welt und dem Römischen Reich deutscher Nation durch Besuche islamischer Gesandte. Die Kontakte intensivierten sich und 1701 kam der erste offizielle osmanische Diplomat, Mektupçu Azmi Said Efendi, in das damalige Heilige Römische Reich.

1915 wurde für die muslimischen Kriegsgefangenen im Halbmondlager bei Zossen die erste funktionierende Moschee in Deutschland gebaut, die aber wegen Baufälligkeit 1925 wieder abgerissen wurde. Heute zeugt nur noch ein muslimischer Soldatenfriedhof und die „Moscheestrasse“ von ihrer Existenz.

1922 erreichte Maulana Sadr ud-Din, der erste Missionar der Ahmadiyya Gemeinde, Deutschland und baute mit Spenden von der Ahmadiyya 1924 die älteste heute noch erhaltene Moschee Deutschlands. Sie steht in Berlin und trägt den Namen „Wilmersdorfer Moschee“. Die Moschee war erstmals für die Bürger Berlins offen. Viele bekannte deutsche Persönlichkeiten besuchten Veranstaltungen in dieser, darunter Albert Einstein, Martin Buber, Martin Niemöller, Thomas Mann und Hermann Hesse.

Während der Zeit des Nationalsozialismus waren Muslime zwar im Vergleich zu Juden keiner religiös begründeten Verfolgung ausgesetzt, dennoch gab es in den Konzentrationslagern auch muslimische Häftlinge. Die genaue Zahl ist aufgrund fehlender historischer Untersuchungen zu diesem Thema nicht bekannt. Außenpolitisch suchten die Nazis aufgrund der gemeinsamen Gegnerschaft zum englischen Kolonialreich Bündnisse mit einigen fundamentalistischen Muslimen. Darunter auch mit Mohammed Amin al-Husseini, auch bekannt als „Großmufti von Jerusalem“, der zu Propagandaauftritten nach Deutschland eingeladen wurde.

Nach dem Krieg organisierten sich islamische Verbände neu und 1956 wurde die erste Nachkriegsmoschee in Hamburg erbaut. Die erste deutsche Koranausgabe der „Ahmadiyya Muslim Jamaat“ wurde bei ihrer Veröffentlichung 1954 von der Al-Azhar Universität in Kairo gelobt und als herausragende deutsche Übersetzung bezeichnet.

Durch das Anwerbeabkommen mit muslimischen Staaten von 1961 – 1973 und dem anschließenden dauerhaften Aufenthalt mit Familienzusammenführung, nahm die Zahl der Muslime in Deutschland stetig zu. Eine Rückkehr trat bei vielen immer mehr in den Hintergrund und es entstand allmählich eine religiöse Infrastruktur, die mit zunehmender Organisation der Gastarbeiter und Zuwanderer aus anderen islamischen Ländern die sogenannten „Hinterhofmoscheen“ entstehen ließen. Etwa zwei Drittel der Muslime in Deutschland haben türkische Wurzeln, die übrigen stammen überwiegend aus dem Nahen Osten, aus Nordafrika und Ex-Jugoslawien.

Derzeit kommen auch Muslime aus anderen Staaten, wobei es sich hierbei nicht nur um Flucht bzw. Asylsuche handelt, sondern auch um z.B. ein Studium anzufangen. Inzwischen gehört der Islam zu den prägendsten Religionen Deutschlands. Er ist die Religion mit den zweitmeisten Gläubigen nach dem Christentum und von daher nicht aus Deutschland wegzudenken.

Im Jahr 2006 fand in Berlin die erste Deutsche Islamkonferenz statt, die einberufen wurde, um einen Dialog zwischen dem deutschen Staat und den Muslimen in der Bundesrepublik herzustellen. Wolfgang Schäuble sagte in der Regierungserklärung zur Deutschen Islamkonferenz am 28. September 2006:

„Der Islam ist Teil Deutschlands und Teil Europas, er ist Teil unserer Gegenwart und er ist Teil unserer Zukunft. Muslime sind in Deutschland willkommen. Sie sollen ihre Talente entfalten und sie sollen unser Land mit weiter voranbringen.“

Die Zahl der Muslime wird zwischen 4,4 und 4,7 Millionen geschätzt, was 5,4 bis 5,7 % der Gesamtbevölkerung entspricht. Dabei sind fast die Hälfe deutsche Staatsangehörige. Die Zahl der deutschen Konvertiten zum Islam, ist unbekannt, da ein Übertritt zum Islam nur in seltenen Fällen schriftlich dokumentiert wird und kein entsprechendes Register besteht. Es wird jedoch angenommen, dass ihr Anteil im Verhältnis zu den zugewanderten Muslimen gering ist. Zum Islam konvertierte Deutsche nehmen inzwischen eine wichtige Rolle ein, sind Vermittler zwischen den muslimischen Migranten und nicht-muslimischen Deutschen und bauen durch ihre Arbeit Brücken in ihren muslimischen Gemeinden. Sie sind sie ein Gewinn für die Integration und lösen allmählich das Bild auf, das ausschließlich Migranten den Islam in Deutschland repräsentieren.